FoodHub München

Augenhöhe statt Dominanz – ein genossenschaftlicher Biosupermarkt in München bietet eine Alternative zum konzerndominierten Lebensmittelmarkt

Pressetext

Die steigenden Lebensmittelpreise nützen vor allem dem Handel, während die Hersteller immer stärker unter Druck geraten, so das am 21. November vorgelegte Gutachten der Monopolkommission. Das Problem scheint sich zu verschärfen, neu ist es nicht. Schon vor vier Jahren hat sich die Initiative FoodHub München entschlossen, die Zusammenarbeit zwischen Handel und Erzeugerbetrieben neu zu denken. Und es hat funktioniert.

Nach dem erfolgreichen bayerischen Volksbegehren „Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern“, besser bekannt unter seinem Plakat-Slogan „Rettet die Bienen“, hatten sich einige Mitinitiatoren gefragt, wie sie in ihrer Konsumentenrolle nachhaltige Landwirtschaft weiter unterstützen könnten. Bei Gesprächen mit Bio-Bauernhöfen und -Gärtnereien war man stets schnell beim Thema Handel angekommen: Der drücke die Preise auf ein Niveau, das Nachhaltigkeit und Fairness konterkariert. 

Genau hier setzte dann der erste genossenschaftliche Mitmach-Biosupermarkt, der FoodHub in München-Giesing ein. Nach dem Vorbild der sehr erfolgreichen Kooperative „Park Slope Food Coop“ in Brooklyn New York und „La Louve“ in Paris betreibt die „FoodHub München Market e.G.“ seit Juli 2021 auf rund 700 Quadratmetern einen Vollsortiment-Supermarkt, überwiegend Bio, mit viel Direktbezug von Bauern und Lebensmittel-Handwerkern aus der Region und weiteren fairen Produkten. 

Dauerhaft verlässliche Erzeugerpreise

Wie ihre Vorbilder verkehrt die Genossenschaft mit ihren vielen klein- und mittelständischen Lieferbetrieben auf Augenhöhe. Der FoodHub-Aufschlag auf den Einkaufspreis zur Deckung der eigenen Kosten beträgt einheitlich 30 Prozent beziehungsweise 35 Prozent bei verderblichen Waren. Die Erzeuger bekommen verlässlich die Preise, die sie brauchen, um ihre Betriebe rentabel zu führen und weiterzugentwickeln. Das funktioniert auch für die Supermarkt-Genossenschaft, die Mitgliederzahl ist auf gut 2.500 gewachsen, die Kredittilgung läuft nach Plan und ein weiterer großer Schritt ist in Arbeit: Im nächsten Jahr soll eine zweite Filiale in Schwabing eröffnen, ein geeigneter Standort wird derzeit gesucht.

Solidarität als entscheidende Motivation für die Mitglieder

Der Erfolg hat vor allem eine Quelle, und das sind die Mitglieder. Nur sie können im Supermarkt einkaufen. Wer mitmachen will, zahlt in der Regel den einmaligen Genossenschaftsbeitrag von 180 Euro und – das ist entscheidend – arbeitet alle vier Wochen drei Stunden mit. Dieser Einsatz senkt einerseits die Kosten und ermöglicht Preise, die trotz der hohen Qualität oft deutlich unter dem Niveau anderer Biosupermärkte liegen.

Attraktive Preise sind für die aktiven Mitglieder ein willkommener Nebeneffekt. Das Mitmachen und damit verbundene Eintauchen in die Welt der Lebensmittelbranche einschließlich interessanter Kontakte zu Gleichgesinnten wird als Bereicherung erlebt. Als größte Motivation nennen die meisten aber den Wunsch eine umweltfreundliche, vielfältige und faire Lebensmittelproduktion solidarisch zu unterstützen: Handel ohne die fatalen Folgen der Gewinnmaximierung, wie sie die Monopolkommission erneut aufgezeigt hat.


Links:
Pressemitteilung der Monopolkommission
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